Was ist Weihnachten für mich
Eines Heiligen Abends, als ich, wie jedes Jahr nach dem Vorweihnachtsstress, unter dem Christbaum aus lauter Müdigkeit einfach eingeschlafen war, stellte ich mir nach dem Erwachen diese Frage.
Was Weihnachten für die Mehrheit der Menschen der westlichen Welt war, die Rituale, die auch mich zu diesem Zeitpunkt noch umklammert hielten, konnten den Sinn der Weihnacht nicht ausmachen.
Konsumwut, Geschenkespflicht, mit ihren unsinnigen Auswüchsen und einhergehenden Müllbergen, Zwangsfamilienfeste, identitätslose Weihnachtsmärkte, im Geplärre und Lichterschauer, Weihnachtsdekoration im Herbst, Weihnachtsfeiern unter dem Motto "Sex and Drugs and Rock'n Roll" - während die Menschen, die auf der dunklen Seite der Welt lebten, sich unter dem Kriegsgewitter der Hüter des Weihnachtswahnsinn in Schmerz und Grauen wanden.
Und ich? Mittendrin in den Ritualen meines Umfelds, voller Ärger darüber, zerfressen von Frust und Anklage, oft auch Angst.
Und dann, das Erwachen unter dem erloschenen Weihnachtsbaum, müde, ausgelaugt, mit zu vollem Magen und zu hungrigem Herzen.
Zuerst die Frage: Wofür? Für zehn Minuten? Denn länger brennen die Kerzen im Durchschnitt wohl nicht an einem Christbaum.
Das Groteske der Situation schnitt mir beinahe den Atem ab. Riesige Wirtschaftszweige waren das ganze Jahr damit beschäftigt, die Menschenmassen auf diese zehn Minuten hinzutrimmen. Sie von der Notwendigkeit von Weihnachtsritualen zu überzeugen, die bei näherem Hinsehen keinerlei Sinn ergaben, die die Menschen nur müde und leer machten und sie oft auch noch in Verschuldungen materieller, wie auch seelischer Art stürzten.
Und endlich stellte ich mir die Frage: Was ist Weihnachten für mich?
Eine Frage, die mein Leben veränderte. Deren Antwort mich Ballast abwerfen ließ, und meine Weihnachten auf die Beine der Qualität stellten, die mein Leben seither bereichert:
Zeit für Menschen, Zeit für Gedanken in Stille und Ruhe, Auseinandersetzung mit dem was ich spüre, Antworten auf meine Fragen nach dem Sinn.
Auch in dieser Zeit muss Arbeit erledigt werden, aber ich lernte, die Freizeit zeitgemäß zu gestalten. Den Jahreszeitenwandel nur mehr am Wetter zu vollziehen, ist ein Verhängnis, mit dem die Seele des Menschen nicht gut zurecht kommt.
Und ich entdeckte, Gedanken zur Weihnachtszeit unterscheiden sich in vielem von Gedanken während anderer Zeiten des Jahres. Im Frühling und Sommer drängen unsere Gedanken nach draußen, nach Aufbruch, nach Wanderschaft. Im Herbst wird langsam eingekehrt, werden die Ernten eingefahren. Und dann die Vorweihnachtszeit. Das Zurückkehren an den warmen Herd, die Heimkehr der Ausgeschwärmten und das gemeinsame Auspacken der mitgebrachten Geschenke, die uns das Jahr bescherte.
Frieden wuchs in mir und Freude. Und beide schenkten mir Kreativität.
Heute ist Weihnachten für mich das Fest des Glaubens an die Liebe, die allein der Menschheit Sinn gibt, des inneren Friedens und der Kreativität. Und ich pflege die Zeit der Erwartung mit Spaziergängen, lausche auf die Worte, die aus meinem Inneren aufsteigen, schreibe und male und gestalte, um meine Weihnachtsgedanken auch mit anderen zu teilen.
Und mein Wunsch für alle Menschen lautet:
Liebevolle Weihnachten!
>>> und wer HÖREN mag
Ich habe diesen Text geschrieben, weil ich einen Klappentext für
brauchte. Selbstverständlich war er für diesen Zweck dann viel zu lang und wurde gekürzt.
Aber ich verwende diesen Text nun als Einstieg in meine Weihnachtslesungen.
Und da ich denke, er kann auch für sich gut stehen und vielleicht dem einen oder anderen Nachdenklichkeit und Besinnung bringen, veröffentliche ich ihn auch hier.
Alles Liebe für Euch alle!
evelyne w. - 7. Dez, 15:29




















