1-03 Die Umgangsprache

Samstag, 12. März 2005

1-03 Die Umgangssprache

Jetzt kommt so ziemlich der schwierigste Teil meines Buches, bzw. der am schwierigsten erscheinende.
Alle Bekannten, die mein Manuskript zu lesen bekamen, hatten damit die größten Schwierigkeiten, es erschien ihnen äußerst kompliziert.
Da ich die Befürchtung hege, daß es Ihnen Lust und Laune verderben könnte weiterzulesen, weil Sie annehmen, dass es ein so kompliziertes Buch im allgemeinen ist, will ich diese Vorwarnung hierherstellen.
Bitte verzweifeln Sie nicht, wenn Sie nicht sofort folgen oder einsteigen können. Es ist keineswegs notwendig, die Begriffe zu erlernen. Es ist wichtig, ihre Zusammenhänge zu erkennen. Aber dies muss keineswegs auf einmal erfolgen.
Aber natürlich war es notwendig, für diese Vor-Zusammenfassung alle auf einmal anzuführen.

Letztendlich ist dieses Buch die Auflösung dieser Vorgänge. Sie können es also auch lesen, wenn Sie mit diesem Kapitel nicht gleich etwas anfangen können. Sie kommen dann schön langsam auf die zugrundeliegenden Faktoren.

Ich habe es aber deshalb an den Anfang gestellt, weil ich glaube, dass ich durch die Erklärung der exakten Definierung nicht nur die Wichtigkeit derselben herausstreichen, sondern auch zusätzliche Sicherheit beim Zurechtfinden in den ineinanderfließenden Vorgängen anbieten kann.

Wie ich vorher geschrieben habe, soll die menschliche Sprache dem Zweck dienen, die Kommunikation unter den Menschen zu erleichtern. Seltsamerweise hat man aber sehr oft den Eindruck, als würde sie genau das Gegenteil erreichen. Und wirklich kann man auch oft erkennen, daß nonverbale Kommunikationsformen oft bessere Übereinstimmung erzielen, als wortreiche Verständigungsversuche.

Wahrscheinlich wäre dem Menschen schon sehr gedient, wenn es ihm gelänge, um ganz bestimmte Vorgänge zu beschreiben, dafür einen exakten Begriff zu definieren. Dies gelingt ihm wohl im greifbaren Bereich, doch ist es nun einmal so, dass im nichtgreifbaren Bereich, und gerade besonders in der deutschen Sprache, eine Anzahl von Worten und Begriffen eingesetzt wird, die nicht genau definiert sind. Und auch dies ist ein wesentlicher Punkt, dass viele Menschen mit vielen Worten oft nicht das gleiche meinen.

Ich selbst habe es mir deshalb angewöhnt, für bestimmte Vorgänge meine Wortwahl sehr genau zu treffen, die Begriffe so genau wie möglich zu definieren und dann nur für einen Vorgang anzuwenden.

Selbstverständlich kann und will ich hier keinerlei Anspruch auf eine einzigwahre Semantik erheben, ich wähle nur, um so viele Missverständnisse wie möglich auszuschalten, für einen Vorgang oder eine Situation den von mir dafür am besten gehaltenen Begriff aus, "besetze" ihn dann sozusagen mit meiner Definition und verwende ihn in weiterer Folge nur mehr für diesen Vorgang.

Die nichtgreifbaren Phänomene:

Als nichtgreifbare Phänomene bezeichne ich die Wesenserscheinungen, die nicht auf der realen Ebene miteinander oder untereinander verglichen werden können. Es können nur die Begriffe in ihrer Symbolik kommunikativ verglichen werden, nicht aber reale Objekte oder Vorgänge.
Selbstverständlich liegt auch der sogenannten realen Ebene letztendlich eine persönliche Wirklichkeit zugrunde, doch wollen wir uns ja weder in streng wissenschaftlichen, noch in esoterischen Wahrheiten verlieren, sondern unsere herkömmliche Auffassung und Umgangssprache perspektivisch betrachten und versuchen, dafür eine Sprachebene zu schaffen, die so viele Missverständnisse wie nur möglich ausschließt.

Bei allen nichtgreifbaren Phänomenen ist es notwendig, um sich ihres Vorhandenseins bewusst werden zu können, diese greifbar zu machen. Das geistige, wie auch das gefühlsmäßige Phänomen benötigt dafür immer ein Objekt oder zumindest ein Symbol.

Geist als Geist und Gefühl als Gefühl ist absolut nicht greifbar.

Um also Geist oder Gefühl ausdrücken zu können, benötigt man ein Objekt, etwas Körperliches. Etwas, das uns diesen Geist oder dieses Gefühl vermitteln oder abgeben lassen kann.
Z. B. ein Buch (als Objekt), um über unser Sinnesorgan, das Auge (also unseren Körper), den Geist des geschriebenen Wortes (als Symbol) übermitteln zu können. Wir wiederum benötigen unseren Körper, um diesen Geist aufnehmen zu können.

Der Geist, der sich im Text dieses Buches ausdrückt, benötigt als erstes einmal meinen menschlichen Körper, um sich als Text formieren und danach ausdrücken zu können, ist dann in einem weiteren Objekt (Körper), also in dem Buch, und kann von dort wieder nur über einen anderen menschlichen Körper zur Erweiterung eines anderen Geistes übermittelt werden.
Auch wenn ich den geistigen Inhalt erzähle, werden dafür verschiedene Körper für die Übermittlung benötigt.
Oder noch genauer, auch wenn ich den geistigen Inhalt nur für mich entwickle, brauche ich dafür meinen Körper, um diese Gedanken und Gefühle erstehen zu lassen. Ohne meinen Körper könnten sich diese Gedanken und Gefühle nicht ausdrücken. Und wären aber doch vorhanden. Nur nicht in der so ausgedrückten Form.

Nun zu einigen meiner persönlichen Definitionen:

Wenn ich von Gefühl spreche, dann ist dies z.B. keineswegs für den Vorgang anzuwenden, wenn ich auf eine Herdplatte greife und deren Wärme spüre (dafür setze ich das Wort "Empfindung"), sondern handelt es sich um diese Art von Gefühlen, die für mich im eigentlichen Seinszustände sind und zur Grundausstattung eines Menschen gehören:
In erster Linie die Liebe, mit allen ihren Unterteilungen, Gemeinschaftsgefühl, Selbstwertgefühl (das ich persönlich aber viel lieber Selbstgefühl nenne), Mitgefühl, aber auch Sicherheitsgefühl und Einsamkeitsgefühl.
Die Angst gehört für mich nur in einem einzigen Bereich zum Gefühl, inform der Ur-Angst vor der Einsamkeit. (Ich werde diese Angst im weiteren Verlauf auch immer Ur-Angst nennen, um sie von anderen Ängsten deutlich zu unterscheiden.) Alle anderen sogenannten "seelischen", wie auch "realen" Ängste gehören keineswegs zur Grundausstattung eines Menschen, sie werden dem Menschen erst anerzogen und sind für mich aus diesem Grund keine Gefühle, sondern Reaktionen.
Gefühle sind Vorgänge, die nur aus dem menschlichen Sein erwachsen und deren Erfahrung und Ausdruck.

Die körperlichen Erfahrungsmöglichkeiten nenne ich Empfindung wenn es sich um körperliche Erfahrungen über die Sinnesorgane handelt, wie z.B. kalte Füsse, Augenbrennen, Hautjucken, körperliche Schmerzen und auch die wohltuenderen Varianten, wie sie Massagen oder Streicheleinheiten im Körper auslösen.
Empfindungen sind Vorgänge, die aus dem körperlichen Sein erwachsen und deren Erfahrung und Ausdruck.

Die körperlichen Erfahrungen, die nicht über die Sinnesorgane gemacht werden, nenne ich Instinkt und Intuition.
Zu den Instinkten gehören für mich Hunger und Durst, und auch alle sonstigen menschlichen Triebregungen. Und hier gibt es für mich die Untergruppe Angst sehr wohl, nämlich als instinktive Schutzfunktion. Selbstverständlich hat jede Angst eine Schutzfunktion, also natürlich genauso die seelische und auch die zur sogenannten Real-Angst umfunktionierte seelische Angst. Doch ist diese für mich kein Gefühl, sondern ein über das Bewusstsein aufgebautes Konstrukt!
Zu den Intuitionen zähle ich die Erfahrung energetischer Prozesse, wie z.B. Erregung oder Ruhestellung, und auch deren Übertragung, wie z.B. die Übernahme der Erregung eines Anderen, oder dessen beruhigende Ausstrahlung, aber auch Telepathie und andere sensorische Wahrnehmungen und Übertragungen, den sogenannten sechsten Sinn betreffend.

Am schwierigsten erscheint es mir, Geist unmissverständlich zu definieren.
Geist ist für mich die Einstellung des Menschen zu seinem Sein.
Doch ist diese nicht nur über das hirnmäßige Wissen zu erfahren und auszudrücken, sondern über alle Ebenen der menschlichen Grundausstattung. Die Einstellung zu seinem Sein prägt der Mensch genauso über sein Gefühl, über seine körperlichen Erfahrungen, wie auch über seine Bewusstheit und sein Bewusstsein.
Deshalb steht er für mich zum Unterschied zum sobezeichneten "greifbaren" hirnmäßigen Wissen, weil er im Endeffekt nicht mit der Einstellung zum Sein eines Anderen verglichen werden kann. Nur der kommunikative Teil kann miteinander und untereinander verglichen werden.

Leben bedeutet für mich Erfahrung und Ausdruck des Lebendigen. Lebendig ist nur, was immer weiter fortschreitet oder wächst. Stillstand bedeutet Tod.
Ich habe für den Begriff Leben eine sehr persönliche Variante gesetzt. Leben verwende ich nur im Zusammenhang mit menschlicher Lebendigkeit, also mit bewusstem Fortschreiten oder Wachstum bzw. deren Bewusstheit.
Dies ist wirklich eine sehr persönliche Auslegung, denn selbstverständlich wachsen auch Tiere und Pflanzen und schreiten in ihrer Entwicklung voran, doch dafür verwende ich die Begriffe Dasein, Existenz und Lebendigkeit. Nicht weil ich Tieren und Pflanzen oder anderen Organismen Leben absprechen will, sondern einzig und allein um damit dem Vorgang der "Lebendigkeit in Bewusstheit" einen Namen zu geben.

Mit Bewusstsein meine ich die Erfahrungen und die Erkenntnisse der Bewusstheit von Seins-Vorgängen.
Ich bezeichne damit also nicht den Vorgang, wenn sich jemand "bewusst" macht oder dessen "bewusst" wird, dass eine Rose rot ist. Oder die Erfahrung macht, dass jedesmal wenn er einen bestimmten Knopf drückt, ein Klingelzeichen ertönt (das gehört für mich zum "hirnmäßigen Wissen").

Das menschliche Bewusstsein ist für mich das Organ, mit welchem der Mensch die Erfahrungen seines Seins macht.
Deshalb ist für mich das Unbewusste einer menschlichen Existenz ein untrennbarer Bestandteil des menschlichen Bewusstseins. Weil das Unbewusste ebenfalls Seins-Erfahrungen macht und auch ausdrückt. Hier liegt die Betonung für mich auf menschlichem Unbewusstsein. Denn hier gibt es eine wesentliche Verbindung zu den Tieren, die über ihr tierisches Unbewusstsein selbstverständlich ebenfalls Seins-Erfahrungen machen und ausdrücken.

Die greifbaren Phänomene:

Als greifbare Phänomene bezeichne ich alle Erscheinungsformen und deren Ausdruck, die von den Menschen untereinander und miteinander verglichen werden können: einerseits alle materiellen Körperlichkeiten und andererseits aber auch Rechenprozesse und Handlungsabläufe.

Das hirnmäßige Wissen ist das Wissen, das ein Mensch über sein Gehirn erlernen kann. Auch die Prozesse, die dabei entstehen und sehr oft dynamische Ergebnisse erzielen, gehören hier dazu.
Das hirnmäßige Wissen ist einerseits über die Sinnesorgane zu erfahren, aber doch auch über das menschliche Bewusstsein.
Philosophien z.B. sind Erfahrungen des Bewusstseins im vorher beschriebenen Sinn, doch die Austauschmöglichkeiten der Ausdrucksformen gehören zum greifbaren Wissen. Ebenso sind Erlebnisse von Musik und Dichtung Seins-Erfahrungen, doch gibt es auch hier eine Variante der Weitergabemöglichkeit und auch erlernbare Faktoren, die dadurch wieder zum hirnmäßigen Wissen gehören.
Ich nenne es deshalb "hirnmäßiges" Wissen, weil es für einen Menschen auch gefühlsmäßiges, instinktives und intuitives Wissen gibt.
Greifbar nenne ich das hirnmäßige Wissen deshalb, weil es für mehrere Menschen gleichermaßen begreifbar ist. Der wesentlichste Unterschied zu den nichtgreifbaren Phänomenen besteht für mich aber in der Vergleich- und Austauschmöglichkeit der Erfahrungen und Erkenntnisse.

Wenn zwei Menschen eine Rose betrachten, dann können sie übereinkommen, daß sie eine Erfahrung, die ihr Auge an das Gehirn weitergibt, in dieser Gestalt Rose nennen. Immer wenn sie eine Rose sehen, wird ihr Sinnesorgan das Auge diese Gestalt sozusagen angreifen können und ihr hirnmäßiges Wissen begreifen können, daß es sich um eine Rose handelt. Wenn nun beide davon sprechen, dass diese Rose schön ist, werden sie niemals wissen, wie der Andere "schön" empfindet, sie können nur den Begriff kommunikativ verwenden.
Selbstverständlich werden sie auch nie "wissen", wie der Andere die Gestalt der Rose "sieht", doch liegt der Erlernbarkeit dieses Symbols eine den Menschen untereinander leicht vergleichbare Materie zugrunde.
Ebenso liegt bei Rechenprozessen oder Handlungsabläufen eine vergleichbare Voraussetzung vor.

Der menschliche Körper ist an und für sich die Bühne, über welche alle Prozesse des Menschseins ablaufen. Und als Materie an- und begreifbar, sowie von den Menschen untereinander und miteinander vergleichbar.

Die greifbaren Phänomene sind also die Sinnes- oder Bewusstseinserfahrungen, die für alle Menschen erlernbar und dadurch austausch- und vergleichbar sind. Wenn nicht alle Menschen das gleiche lernen "können", dann liegt dies an der Einzigartigkeit jedes Menschen, die einerseits aus den unterschiedlichen Interessen und andererseits natürlich aus der unterschiedlichen Intelligenz erwächst. Doch das menschliche Fundamentsprinzip ist davon nicht betroffen und auch nicht das Prinzip der greifbaren und nichtgreifbaren Phänomene.

Wie wir sehen, ist die Liste der nichtgreifbaren Phänomene wesentlich länger und scheint auch komplizierter, als die der greifbaren. Und doch ist es so, dass die Menschen dem greifbaren Anteil ihrer Existenz wesentlich mehr Energie zuwenden, und oftmals sogar nur diesen akzeptieren! Hier lässt sich bereits sehr leicht erkennen, dass viele Menschen nicht ihrem Mensch-Sein entsprechend leben und es deshalb sehr schwierig für sie ist, Harmonie in ihre Fundamente Geist und Gefühl, Bewusstsein und Körper zu bringen.

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