1-07 Der Mensch und die Ewigkeit

Donnerstag, 31. März 2005

1-07 Der Mensch und die Ewigkeit


Jedes einzelne Partikelchen auf der Erde - oder nicht nur auf der Erde, sondern überhaupt im gesamten Universum - hat an der Ewigkeit seinen Anteil. Ich nehme nun einmal als Beispiel kein Lebewesen, sondern eine Blume.
Auch eine Blume hat den Sinn in der Ewigkeit. Auch sie ist in den Ewigkeitsprozess eingebunden. Und auch sie ist in den lebenden Prozess eingebunden.
Wenn es Sinn in der Ewigkeit geben soll, dann kann es nur der Sinn des Lebendigen sein. Das ist die Ewigkeit, das bringt die Ewigkeit.
Wenn ich davon ausgehen muss, dass alles aus Staub entsteht und zu Staub wird, dann ist dieser Vorgang eindeutig begrenzt. Das heißt - er beginnt irgendwann und hört irgendwann auf. Es war einmal alles Staub und es wird einmal alles Staub sein. Und dieser Staub ist leblos.
Ewig kann nur das Lebendige sein, indem immer Eines aus dem Anderen entsteht, immer weiter, immer weiter.
Es ist in der Ewigkeit nun egal, was daraus entsteht. Das ist eine Frage der Entwicklung. Doch in dem Augenblick, wo lebloser Staub entsteht, ist es zu Ende.
Aus wirklich leblosem Staub, in dem kein Leben mehr vorhanden ist, kann nichts mehr entstehen. Wenn wir unsere Erde einmal zu Staub machen werden, dann wird sie sich in der Unendlichkeit einfach auflösen.

Ich glaube, das Problem mit der Ewigkeit hat der Mensch deshalb, weil "ewig" für den Menschen mit seinem begrenzten Denkvermögen einfach nicht denkbar, also nicht nachvollziehbar ist. Der Mensch im Bewusstsein seiner begrenzten Erdanwesenheit geht davon aus, dass alles (so wie sein Dasein) einmal beginnen und einmal enden muss.

Doch ist es für mich heute keinerlei Problem mehr, etwas das für mich nicht denkfähig ist, deshalb nicht auch als nicht existent anzusehen.
Ich kann auch die Rechenprozesse meines Computers nicht nachdenken oder nachvollziehen und muss die Ergebnisse und deren Existenz andauernd anerkennen. Oder die vielen vielen Studienrichtungen, wo Menschen etwas erkennen und auch denken und nachvollziehen können, von dem ich in meinem Leben nicht einmal nur ansatzweise etwas gehört habe.
Soll ich deshalb diese Erkenntnisse und Ergebnisse als nicht existent ansehen?

Und nur, weil offensichtlich kein Mensch bisher wahre Ewigkeit denken kann, soll ich nun deren Existenz anzweifeln?
Noch dazu, wo ich für mich eine höchst plausible Erklärung der Ewigkeit finden konnte.
Denkfähig ist die Ewigkeit für mich aber deshalb selbstverständlich auch nicht.
Das Denken eines Menschen muss immer irgendwo beginnen und auch wieder aufhören.

Aber man braucht nur daran zu denken, dass vor noch nicht allzu langer Zeit die Menschen glaubten, dass am Ende ihres sichtbaren Horizontes das Ende der Welt liegt. Ist es nicht auch heute einfach nur so, dass die Menschen nur ihren Horizont erweitert haben, und sonst nichts? Und dass hinter unserer Denkfähigkeit noch einiges zum Vorschein kommen kann?

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich nun ein bisschen verzettle, und vom eigentlichen Thema etwas abschweife, möchte ich doch hier einen Gedankengang einfügen, den ich dem Buch von Paul Watzlawick "Wie wirklich ist die Wirklichkeit" entnommen habe. Es handelt sich um die Arbeit mit Delphinen, denen ein grosses Ausmass an Intelligenz zur Verfügung steht (vielleicht sogar ein grösseres als dem Menschen) und wo er sich plötzlich die Frage stellt: Wenn das ungenutzte Potential der Delphine so groß ist, wie man es bei der Arbeit mit ihnen erkennen kann, wie groß ist dann das ungenutzte Potential beim Menschen? Oder - wo wird es den Menschen noch hinführen?
Was wird also für einen Menschen eines Tages sehr wohl noch denkfähig sein?

Gut, kehren wir also nun zum Sinn der Ewigkeit einer Blume zurück.
Ich muss nun einmal an einem Punkt beginnen. Ich beginne beim Samen. Das ist der Anfang unserer Blume. Dieser einen speziellen Blume.
Der Samen fällt auf die Erde, dringt in die Erde ein und entwickelt dort Lebendigkeit. Es erwächst eine Blume, die in ihrem Inneren wieder Samen ausbildet und entwickelt. Unsere Blume wird nun irgendwann verblühen, doch sie wird vorher ihren Samen abgeben, um ihre Art zu erhalten. Damit hat sie den Sinn ihres Daseins erfüllt.
Ihr Samen fällt nun wieder auf die Erde, dringt wieder in die Erde ein und es erwächst wieder eine neue Blume und dieser Kreislauf wird endlos fortgesetzt werden können. Die Blume gab mit ihrem Dasein ihren Sinn.
Nun kommt Wind auf und trägt den Samen unserer Blume auf ein Stück Beton. Dort kann dieser Samen keine Lebendigkeit entwickeln. Er verfällt zu Staub. Die Ewigkeitskette ist eindeutig unterbrochen. Unsere Blume selbst verblüht und nach ihr ist Schluss.
Selbstverständlich könnte man hier jetzt dann abzweigen, inwieweit die stoffliche Substanz unserer Blume dann z. B. noch am Kompost beteiltigt ist, und, und, und... Das ist schon klar, doch das würde nur das Beispiel verbreitern. Ich glaube, dass es so zumindest ziemlich klar ist, was ich damit meine. Was ich mit Lebendigkeit meine. Was ich mit Sinnhaftigkeit bei Existenz des kleinsten Partikelchens meine.

Auch wenn es Millionen Jahre dauert, um aus abgefaultem Wald neue Erdoberflächen zu entwickeln - da ist immer Lebendigkeit drinnen. Zeitlich nicht begrenzbare Lebendigkeit. Zeitlich nicht begrenzbare Entwicklung.
Doch aus Asche und Staub kann sich nichts mehr entwickeln. Es kann sich nur mehr etwas daraus entwickeln, wenn sich in dieser Asche, oder unter dieser Asche oder unter diesem Staub, noch irgend etwas Lebendiges befindet. Ansonsten zerfällt es.
Asche als Asche, oder Staub als Staub kann nicht gebunden werden. Das zerfällt einfach in sich selbst. Wenn ein Stück Asche auf andere Asche fällt, kann sich daraus nichts mehr entwickeln. Gar nichts. Es kann sich nicht einmal verbinden und neue Asche daraus entwickeln.
Wenn ein Stück Asche auf lebendigen Boden fällt, kann der Boden die Asche aufnehmen und die Asche einfach in den lebendigen Prozess wieder eingliedern, indem er sie neutralisiert oder die tote Materie zum Binden von lebendigem Material verwendet.


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