1-08 Der Sinn der Spezies Mensch
Wenn wir also nun einmal erkennen können, dass jede Blume, jede Eintagsfliege, jedes "höhere" Lebewesen seinen ganz speziellen Sinn in der Ewigkeit hat, dann ist es uns doch auch ein leichtes, einen Sinn der menschlichen Existenz anzuerkennen. Auch der Mensch hat seinen Platz in der Evolution. Auch er hat seinen Beitrag zur Ewigkeit zu leisten.
Und gesamtmenschlich gesehen muss es daher eine menschlich fundierte Sinnhaftigkeit geben. Ich gehe nun einmal nicht von der Individualität aus. Diese werde ich später noch äußerst ausführlich behandeln.
Der Mensch als Mensch hat in der Ewigkeit einen bestimmten Sinn und als dieser erscheint mir, seinen Beitrag am Gesamten zu leisten und dadurch die Ewigkeit aufrecht erhalten zu helfen.
Also liegt der Sinn des Menschen auch mit Sicherheit in seiner Lebendigkeit, in seiner Entwicklung, in seiner Arterhaltung, auch wenn sich diese Art irgendwann, in Millionen von Jahren wieder ändern wird - die Art als Spezies meine ich.
Er hat sich in den ewigen Entwicklungsprozess lebendig einzufügen. Er hat sich selbst dafür zu geben. Er wird sterben, doch er wird dafür etwas auf dieser Erde hinterlassen. Dafür ist er auf der Welt.
Das müssen nun keinesfalls Kinder sein. Der Mensch kann und soll auch ganz andere Beiträge zum Gesamten leisten.
Und dort sind wir nun bei den speziell menschlichen Spezifikationen angelangt. Diese soll der Mensch immer weiter geben, immer weiter entwickeln. Stoffliches Leben kann auch von anderen Substanzen aufrecht erhalten werden.
Mir erscheint also eindeutig als Funktion des Menschen, gefühlsmäßiges und geistiges Leben und Lebendigkeit in die Ewigkeit einzubringen.
Der Mensch hat für mich eindeutig andere Beiträge zu leisten, als z. B. Herdentiere, also andere Gemeinschaftswesen.
Selbstverständlich müssen sich die Menschen vermehren, um Menschen in die Evolution einbringen zu können, doch dient die körperliche Vermehrung lediglich als Erhaltung der Ausdrucksform der menschlichen Spezifikationen. Deshalb kann ein Mensch auch sehr vieles hinterlassen, wenn er keine eigenen Kinder zeugt.
Bei Tieren läuft es da offensichtlich schon wieder etwas anders. Wir können nun einmal nicht davon ausgehen, dass sie geistige oder gefühlsmäßige Inhalte hinterlassen können (wenn, dann höchstens bei Menschen - z.B. wenn der Schoßhund stirbt... ), denn es fehlt ihnen die Bewusstheitsebene, auf der etwas hinterlassen werden kann, was über den Körper hinausgeht.
Alle haben ihren Sinn.
Wir können dieses nahtlose Ineinandergreifen, glaube ich, sogar recht gut erkennen:
Die Einen dienen als Nahrung für die Anderen. Andere wieder hinterlassen durch ihren Zerfall biologische Substanzen, die für die Weiterentwicklung notwendig sind.
Doch alles, was auf der Welt entsteht, hat auch im Zurückbleiben seinen Sinn. Es hat den Sinn, etwas Neues daraus entstehen zu lassen.
(Ich gehe nun einmal von der Welt aus, obwohl natürlich auch die Welt ihrerseits nur ein Teilchen der Ewigkeit ist. Doch ist nun einmal die Welt das Zuhause des Menschen und ich möchte mich nicht zu weit vom Menschen entfernen. Doch ich will hier ausdrücklich klarmachen: Für mich ist auch die Welt letztendlich nur ein Bestandteil am gesamten Universum, der genauso zu Staub zerfallen kann. Und noch immer besteht die Ewigkeit, auch wenn die Welt bereits zu Ende ist.)
Wozu dient nun eigentlich der Mensch? Der Mensch ist nun nicht wirklich als Nahrung für irgendein Wesen dieser Erde notwendig (höchstens für die Gelsen - und das wollen wir nun doch nicht als seinen Sinn annehmen).
Auch der Zerfall des menschlichen Körpers ist nicht unbedingt notwendig, um z. B. die Erdoberfläche als solche zu erhalten.
Da gliedert sich in beiden Punkten der Mensch eindeutig in die Natur ein. Es ist nicht notwendig ein bestimmtes Tier zu erhalten, es ist nicht notwendig, eine bestimmte Pflanze zu erhalten, sondern es ist notwendig, irgendwelche Pflanzen und/oder Tiere zu erhalten. Es ist notwendig, Lebendiges zu erhalten, um weitere Existenzen zu ermöglichen und - um Ewigkeit zu erreichen.
Also hier kann sich eine Sinnhaftigkeit des Menschen als Mensch nicht ergeben. Hier hat er am Gesamten eindeutig nichts Menschliches zu hinterlassen.
Das ist so, als wenn ich von Blumen spreche, doch die Spezies "Rose" ganz besonders behandeln muss. Der Sinn der gesamten Natur ist, Lebendiges zu erhalten. Doch wenn wir spezialisieren, dann ergibt sich eben Spezielles: Der Sinn der Pflanzen ist es, Pflanzen zu erhalten, der Sinn der Blumen ist es, Blumen zu erhalten und der Sinn der Rosen ist es, Rosen zu erhalten.
Der Sinn der Säugetiere ist es, Säugetiere zu erhalten. Der Sinn von Walen ist es, Wale zu erhalten. Der Sinn des Menschen ist es, Menschen zu erhalten.
Jeder hat seinen Platz. Und jeder einzelne kann nur sich selbst einbringen. (Dort kommen wir dann zur Individualität.)
Nun sind wir wieder dort angelangt: Was bedeutet es, ein Mensch zu sein? Was ist das spezifisch Menschliche?
Die biologische Substanz ist es eindeutig nicht. Auch der biologische Sinn ist es eindeutig nicht.
Beides könnte die Ewigkeit auch von anderen stofflichen Substanzen beziehen.
Doch den Duft der Rosen kann sie nur von Rosen beziehen, Hühnereier nur von Hühnern, und - gefühlsmäßiges und geistiges Erfassen kann sie nur vom Menschen beziehen.
Die menschlichen Spezifikationen sind daher Gefühl und Geist - die nicht greifbaren Phänomene des menschlichen Seins.
Diese benötigen, um sich bemerkbar machen zu können, einen menschlichen Körper. Der Körper des Menschen ist somit biologische Substanz, der ohne seinen Geist und sein Gefühl keineswegs ein Mensch wäre, sondern einfach ein Säugetier. Geist und Gefühl des Menschen wiederum wären ohne seinen Körper sich-nicht-bemerkbar-machen-könnende Phänomene. Sie sind ja nicht sichtbar, sie sind ja nicht hörbar, sie sind ja nicht greifbar.
Und für viele Menschen erscheinen sie deshalb auch einfach als nicht vorhanden. Sie können sie nicht sehen, sie können sie nicht hören, und auf das Spüren und das gefühlsmäßige Erfassen wurden sie nicht vorbereitet. Und deshalb ist für sie das, was sie spüren, etwas Fremdes, etwas Unsicheres, etwas Angstmachendes, etwas, das sie nicht wollen.
Nicht etwas, das ihr menschliches Sein ausmacht, sondern etwas, das ihr vermeintliches menschliches Sein nur erschwert, belastet, etwas, das Unsicherheit, Hilflosigkeit und Angst in ihre Existenz bringt.
Wie wir nun leicht sehen können, wenden sich die Menschen durch diesen Vorgang gegen sich selbst. Sie können sich nicht als Menschen, als ein mit dem Menschen zugehörigen Spezifikationen ausgestattetes Wesen, akzeptieren, sondern sie versuchen, sich von den wesentlichen Teilen ihrer Menschlichkeit zu distanzieren.
Deshalb ist es für viele Menschen auch so furchtbar schwierig, diese nichtgreifbaren Phänomene überhaupt anzuerkennen. Sie glauben, Gefühl und Geist sind von ihnen losgelöste Kräfte, die irgendwie auf sie einwirken, die ein Eigenleben führen und irgendwann über sie hereinbrechen. Sie können nicht anerkennen, dass es sich um ihre eigenen Kräfte, ja vielmehr noch, um ihre menschlichen Stärken handelt.
Man kann sich leicht vorstellen, was dabei herauskommt, wenn wir unsere menschliche Ausrüstung als nicht zu uns gehörig anerkennen können. Wenn wir glauben, dass die menschlichsten aller Faktoren von außen auf uns wirken. Dass wir ihnen hilflos ausgeliefert sind.
Wir leben tagtäglich mit ihnen und können nicht nur nicht mit ihnen umgehen, wir können sie nicht nur nicht nützen, sondern wir ängstigen uns vor ihnen, was nichts anderes bedeutet, als: wir ängstigen uns vor uns selbst! Vor unserem eigenen Wesen.
Wir wenden unsere Kraft und Stärke gegen uns selbst und wissen es nicht.
Es ist doch wirklich unglaublich!
evelyne w. - 10. Apr, 15:47



















