Mein Zugang zu Jesus II
Meiner Meinung nach sollte ein menschliches Leben in verschiedenen Phasen ablaufen und so zur Selbstverwirklichung führen und jede Phase sollte in ihrer Bestimmung die Selbstverwirklichung vervollkommnen:
- Die Unbeschwertheit und das lernende Erleben der Kindheit
- die Sensationen der Selbstfindung der Jugendzeit,
- Aufbau geistiger, gefühlsmäßiger und meinetwegen auch materieller Werte der mittleren Jahre, und
- die Ernte aus der Summe der Erfahrungen: geistige Reife und Gefühlsreichtum des Alters, die überdies für mich in weiterer Folge dann ideale Wegbereiter in die Ewigkeit sind.
Wir kommen als Körper in diese Welt, entwickeln im Laufe unseres Lebens Geist und Gefühl und wenn unsere Körper diese Welt wieder verlassen, bleibt von uns eben dieser Geist und dieses Gefühl bestehen.
Die Liebe, die ich im Laufe meines Lebens anderen Menschen geben konnte, wird für diese auch noch nach meinem Tode spürbar sein und sie wird immer weiter existieren, da diese Menschen die von mir empfangene Liebe wieder an andere Menschen weitergeben können.
Noch besser können wir das Fortbestehen des Geistes transparent machen.
Der Geist, in welchem ich meine Kinder erziehe, wird ihren Geist mitbestimmen und so in allen Menschen, denen ich geistige Werte vermitteln konnte, weiterbestehen.
Wenn ich also keine geistige Reife und gefühlsmäßige Fülle übermitteln kann, wird auch nur wenig von mir Bestand haben, denn mein biologischer Körper ist nicht von Bestand.
Zur besseren Veranschaulichung kann ich nun selbstverständlich nur herausragende Persönlichkeiten anführen. Ich tue dies gar nicht so besonders gern, da es zu der Annahme verführen kann, dass nur die großartige Fähigkeit dieser Menschen für den Fortbestand ihres Geistes oder Gefühls verantwortlich ist.
Doch trifft dies keinesfalls zu. Der geistige und gefühlsmäßige Fortbestand des Menschen ist auch dann gegeben, wenn er kein vorzeigbares Werk präsentieren kann.
Als Persönlichkeiten, deren Werke von bleibendem geistigen Inhalt noch heute Gültigkeit haben, sind beispielsweise die Philosophen der verschiedensten Epochen zu nennen. Ihr Geist hat in jedem von uns, mehr oder weniger, Bestand. Auch die geistigen Inhalte der Werke von Schriftstellern haben für uns, auch noch lange Zeit nach ihrem Tode, Gültigkeit.
Ich meine auch hier nicht das schriftstellerische Werk an sich, das gehört für mich zum Greifbaren, sondern ich meine den geistigen Inhalt, die Einstellung der Menschen zur Welt, die hinter ihren Werken steht und die wir heute gleichermaßen nachvollziehen und in unsere Existenz einbringen können, obwohl sich die Welt offensichtlich geändert hat.
Auf der gefühlsmäßigen Seite sind die Dichter anzuführen (selbstverständlich können diese auch geistige Inhalte übermitteln) und ganz besonders die Komponisten. Der gefühlsmäßige Inhalt eines Gedichtes oder einer Symphonie ist es, der noch nach Jahrhunderten beim Lesen dieses Gedichtes oder beim Anhören von Musik Gefühl in Menschen aufleben läßt.
Nicht eine Reihe von Buchstaben oder Noten!
Und noch ein ganz besonderes Beispiel ist hier anzuführen:
Es handelt sich um die Liebe Christi, die für den gläubigen Christen noch heute, nach mehr als 2.000 Jahren spürbar ist.
Denn interessanterweise habe ich meine Greifbarmachung geistiger und gefühlsmäßiger Phänomene, die ich im fundamentalen menschlichen Existenzbereich ansiedle, und die ich mir aus rein wissenschaftlichen Arbeiten erarbeitet habe, in einer nur auf den ersten Blick scheinbar konträren Form bestätigt bekommen: in der christlichen Lehre.
Die christliche Lehre ist als Beispiel deshalb so besonders wertvoll, handelt es sich dabei doch ausschließlich um die Lehre vom Bestehenbleiben von Geist und Gefühl. Was an Jesus Christus noch heute Bestand hat, sind seine geistigen und gefühlsmäßigen Werte, sein weltlicher Körper hatte keinerlei Bestand.
Wenn man die christliche Lehre nun hernimmt, so gleicht sie doch - so vermessen das auch auf den ersten Blick erscheinen mag - meiner, doch sehr weltlichen Vorstellung (ich bin nicht religiös im allgemeingültigen Sinn) vom Fundamentsprinzip einer menschlichen Existenz.
Auch sie bestätigt den Bestand geistiger und gefühlsmäßiger Inhalte. Und ich sehe Geist und Gefühl als fundamentale Bestandteile einer Existenz als Mensch an, und als solche ebenfalls von Bestand.
Gott ist - für mich - die Ewigkeit und nur im Geist und Gefühl liegt Ewigkeit für den Menschen. Deshalb ist Gott in seiner Darstellung als Dreifaltigkeit meiner Ansicht nach die positive Qualität dieses Geistes und dieses Gefühls, die dem Menschen innewohnen.
Ich glaube, dass oft große Irritationen in diesem Zusammenhang dadurch auftreten, dass man versucht, Gott zu vermenschlichen. Doch Gott ist kein Mensch. Gott ist ein geist- und gefühlsmäßiges Wesen. Gott ist ausschließlich FÜHLbar und niemals greifbar. Die göttliche Lehre ist die Bildhaftmachung dieses Geistes und Gefühls und der Mensch hat Gott mit einem menschlichen Körper versehen.
Auch wenn es in der Bibel heißt "der Mensch sei nach Gottes Ebenbild", dann heißt dies noch lange nicht, dass Gott auch ein Mensch ist und sein Gott-sein in einem menschlichen Körper vollbringt. Gott ist die Ewigkeit und deshalb in allem, was das Universum ausmacht.
Göttliches Sein ist, in allem zu sein - menschliches Sein ist, in einem menschlichen Körper zu sein. Leben bedeutet, in einem menschlichen Körper das göttliche Sein fühlen zu können.
Das göttliche Sein ist die ewigkeitsbringende Liebe, die wohl in allem ist, doch nur vom Menschen auf eigenverantwortliche Weise erfahren werden kann. Nur der Mensch hat die Möglichkeit Gott bewusst zu fühlen und damit zu erkennen. Und dies bedeutet für mich, nach Gottes Ebenbild zu sein. Denn nur Gott hat die Möglichkeit, Dingen oder Materie (wie dem menschlichen Körper), Leben einzuhauchen.
Das Leben wahrhaft religiöser Menschen ist deshalb von allen diesen erstrebenswerten Umständen, wie Liebe, Glück und Zufriedenheit begleitet, weil es auch dem natürlichen Kreislauf entspricht. Sie können also alle dieser bildhaft gemachten Wahrheiten in ihrem eigenen Geist und in ihrem eigenen Gefühl wiederfinden.
Ein Mensch muss nun nicht unbedingt einer Religion angehören, um sich selbst verwirklichen zu können und um sein Leben mit Glück, Liebe, Zufriedenheit, ja auch Sicherheit erfüllen zu können, - um dadurch wiederum die Sinnhaftigkeit seiner Existenz erfahren zu können -, wenn es ihm gelingt, ohne Symbole und Synonyme und bildhafte Gleichnisse geistige und gefühlsmäßige Wahrheiten als zu seiner Existenz gehörend anzuerkennen.
Doch habe ich selbst in der Geschichte Jesus so wunderbare Parallelen zur gefühlsmäßigen Seite des Menschseins gefunden, dass ich es außerordentlich schade finde, dass die christliche Lehre von kirchlichen Machthabern quasi zweckentfremdet verwendet wird, um - auch wieder mittels Angst - ihre Schäfchen bei der Stange zu halten.
Das ist deshalb so schade, weil den Menschen dadurch sehr viel geistige und gefühlsmäßige Wahrheit verborgen bleibt und sie auf die Kraft und Energie, die sie aus diesen Lehren und aus dem daraus erwachsenden Trost beziehen könnten, nicht zurückgreifen können.
evelyne w. - 23. Okt, 20:47



















