Tierisch

Männer sind anders
Und meistens
weiß ich nicht wie
Sie sind andersartig
wie das liebe Vieh
Sie folgen Instinkten
die ich nicht erkenn
Und die ich auch deshalb
nicht menschlich nenn
Sie sprechen in Worten
die nicht dasselbe bedeuten
Wie die Worte
von anderen Leuten
Sie hören
was außer ihnen
niemand hört
Und sind deshalb
sehr oft verstört
Der aufrechte Gang
ist ihnen meist fremd
Bei vielen
ist das Rückgrat gelähmt
Auch haben sie oft
ein Augenproblem
Sie können nur
auf sich selber sehen
Mit ihren Fingern
statt ordentlich zuzufassen
Bohren sie
meist vor roten Ampeln
in ihren Nasen
Sie ernähren sich gern
unter lautem Schmatzen
Und oft sieht man sie
öffentlich
ihre Weichteile kratzen
Sind sie sicher Menschen?
Auch ihr Balzgehabe
erschwert mir die Antwort
auf diese Frage
Die einen wie Kaninchen
Die anderen wie Schweine
Weitere wie Hunde
die an zu kurzer Leine
Manchmal trifft man Hengste
die wie Ochsen sich verhalten
Doch noch öfter Ochsen
die sich für Hengste halten
Dann die bunten Erpel
die nur mit Flügeln flattern
Andere die hamstern
alles das
was sie ergattern
Oft genug
paradieren sie nur
wie Gockel oder Pfauen
Ach
Wo sind nur die Männer
für uns Menschen-Frauen?

Aus:
"Männer sind anders"
Kehrseitengedichte
von Evelyne Weissenbach


evelyne w. - 8. Aug, 00:18